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Datenspende zur Bekämpfung von Covid-19 effektiv?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) bittet um Hilfe bei der Bekämpfung des Coronavirus. Unterstützer sollen sich dafür die Datenspende-App des Instituts auf ihrem Telefon installieren und sie mit ihrem Fitness-Armband oder ihrer Smartwatch verbinden. Da hierbei sensible persönliche Daten an das RKI und dessen Dienstleister, das Berliner Start-up Thryve/mHealth Pioneers, gehen sollen, lohnt ein genauerer Blick.

Die App erfreut sich großer Beliebtheit, denn bereits kurz nach der Veröffentlichung meldet der App-Store von Google über 100.000 Installationen. Allerdings wirkt die Bewertung mit 2,3 Sternen bei fünf möglichen etwas ernüchternd. Doch die Kommentare lassen einen eindeutigen Grund für die mangelnde Wertschätzung erkennen: Das Programm unterstützt nur eine Auswahl an Plattformen und Geräten (GoogleFit, AppleHealth, Fitbit, Garmin, Polar und Withings/Nokia). Besitzer von Samsung-Fitnesstrackern oder Xiaomi-Smartwatches reagieren da enttäuscht.

Die App blendet daraufhin die 32-stellige ID ein – das Pseudonym, unter dem die Daten gesammelt werden. Um das Spenden der Daten zu starten, muss man sich dann mit Nutzername und Passwort beim Anbieter der Tracking-App anmelden. So weit, so einfach.

Auf der zur App gehörenden Website informiert das RKI über die Daten, die auf diesem Weg erhoben werden sollen. Demnach wird das Verhalten erfasst: ob die Anwender Sport treiben, schlafen, spazieren gehen oder ruhen. Dazu kommen Indikatoren der Körperfunktionen: Puls, Herzratenvariabilität, Stress, Temperatur und Blutdruck. Außerdem speichert die Datenspende-App automatisch die Körperparameter Geschlecht, Alter, Größe und Gewicht – wenn die Tracking-App sie zur Verfügung stellt.

Damit ist dann auch die Funktionsweise der App deutlich: Sie erhebt selbst keine Daten, sondern sie besorgt sich das Einverständnis der Anwender, um vom Betreiber ihrer Fitness-Plattform eine Teilmenge der dort von den Anwendern gespeicherten Daten zur Plattform des RKI zu kopieren.

Datenschutzbewusste Nutzer dürften an dieser Stelle Zweifel befallen, denn mit der Postleitzahl und vier weiteren Merkmalen, auch wenn Alter, Größe und Gewicht auf 5 gerundet werden, ist eine De-Anonymisierung möglich, speziell in weniger bevölkerungsreichen PLZ-Bezirken. Andererseits vertrauen Nutzer von Tracking-Geräten den Plattformbetreibern noch weitaus mehr Daten an und stellen der RKI-App nur einen Ausschnitt zur Verfügung.

Vorbild für die Datenspende des RKI ist eine im Januar in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Studie. [1] Für die Studie werteten US-amerikanische Forscher Daten zur Schlafdauer und zum Ruhepuls von über 47.000 Nutzern mit Fitness-Trackern von Fitbit aus, die sie über zwei Jahre gesammelt hatten. Ziel war es, über diese Daten Rückschlüsse auf die Verbreitung Grippe-ähnlicher Erkrankungen zu ziehen. Der Studie zufolge ließen sich, gestützt auf die Daten, Grippewellen merklich besser vorhersagen.

Die Datenspende-App folgt dem Vorbild der US-Studie. An dem Studiendesign der Amerikaner hat das RKI nur die Datenquellen und die Menge der erhobenen Daten geändert: Das Institut sammelt über die Spende medizinisch nutzbare Daten auf einer sehr viel breiteren Basis. Das Vorgehen muss erstaunen: Denn Ziel der US-Studie waren nur bessere Vorhersagen zur Ausbreitung Grippe-ähnlicher Erkrankungen.

Das RKI stellt die App aber explizit in den Dienst der "Bekämpfung des Coronavirus". Dazu kann die App aber bestenfalls mittelbar einen Beitrag leisten, denn das Programm fragt nicht ab, ob Anwender positiv auf Corona getestet wurden oder Symptome aufweisen. Es entsteht also ein Berg von Daten, in dem sich die Ausbreitung von Covid-19 nicht von der Ausbreitung anderer Grippe-ähnlicher Erkrankungen unterscheiden lässt.

 

[1] https://www.thelancet.com/journals/landig/article/PIIS2589-7500(19)30222-5/fulltext

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